Schulprojekt

Öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „Familie im Umbruch – Erziehung in der Krise“

Entsprechen die täglich in den Medien zu hörenden Krisenszenarien wie „Bedrohte Bastion Familie“, „Die Erziehungskatastrophe“, „Der Erziehungsnotstand“ der Realität“

Im Rahmen eines Schulprojektes veranstalteten das Wirtschafts- und Technikgymnasium und das neu eingerichtete Gymnasium für Erziehung und Soziales des Berufskollegs Borken am Mittwoch, dem 25. Januar 2006, eine öffentliche Podiumsdiskussion im Borkener Kreishaus, um Antworten auf die Fragen zu erhalten, welche Veränderungen im Bereich Familie stattfinden und wo ihre Ursachen liegen.

Das Einführungsreferat hielt Prof. Dr. Hansbauer von der Fachhochschule für Sozialpädagogik, Münster. Bei Umfragen stelle sich, so Hansbauer, heraus, dass das ideale Familienmodell noch immer die klassische „Kernfamilie“ sei, dieser Typus aber einem Wandel unterliege. Heute seien mehrere Lebensformen üblich; die Qualität der Erziehung sei dabei aber nicht von der jeweiligen Lebensform abhängig.

Prof. Hansbauer hob den Wandel der Erziehungsziele seit den 50er Jahren hervor: Dabei gingen klassische Werte wie „Gehorsam“ und „Unterordnung“ verlustig und wurden durch „Selbstständigkeit“ und „freien Willen“ ersetzt. Der damit einhergehende Wandel vom „Befehls-“ zum Verhandlungshaushalt“ berge aber viele Risiken. Nicht von einer Krise der Erziehung, vielmehr von Veränderungen in der Gesellschaft müsse man reden, zumal die Klage über den Erziehungsnotstand ein uraltes und immerwährendes Phänomen sei und folglich Aufgaben der Institutionen neu definiert werden müssen.

Dipl. Psychologe Sylla von der Schulberatungsstelle des Kreises Borken stimmte den Thesen des Einführungsreferates weitestgehend zu, beklagte jedoch die erschreckend hohe Zahl der plötzlich zunehmenden Defizite und Entwicklungsstörungen im sprachlichen und motorischen Bereich. Viele Eltern seien weiterhin mit den erzieherischen Anforderungen überfordert oder sähen Kinder als Teil der Selbstverwirklichung.

Dipl. Päd. Terlinde von der Ehe- und Familienberatungsstelle des Bistums Münster fügte hinzu, dass man als Eltern „stabil“ in der Erziehung sein müsse.

Die Diskussion wurde von Wolfgang Großer vom BK Borken geleitet.

(S 2006-01-30)

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