Azubi Tom Berger im Kongo

MARBECK. Rohre verlegen, Leitungen anschließen, Wasserhähne montieren, defekte Installationen reparieren...

Im dritten Ausbildungsjahr sind diese Arbeiten für den angehenden Sanitär- und Heizungs-Anlagemechaniker Tom Berger schon fast Routine - hierzulande jedenfalls. In der Village Mutoto, zehn Kilometer von der Drei-Millionen-Metropole Lumbumbashi im Kongo entfernt, hingegen stellten diese Aufgaben eine wahre Herausforderung für den 18-Jährigen dar. Zum einen hatte er dort weder einen Gesellen noch einen Meister an seiner Seite, bei dem er sich Rat holen konnte. "Vor allem aber gibt es bei uns keine DIN-Normen. Bei uns muss man improvisieren", sagt Richard Nawezi, Vorsitzender des Vereins Mutoto, für den der Borkener vier Wochen im Einsatz war.

Den Anstoß dazu gab seine Chefin, Tanja Lanvermann. "Auslandserfahrungen sind heute auch im Handwerk wichtig", betont sie und verweist auf das Angebot "Grenzenlos gut" der Handwerkskammer Münster. An diese hatte sich Nawezi gewandt, weil er handwerkliche Hilfe im Kinder- und Kulturzentrum Mutoto benötigte, in dem 240 Mädchen und Jungen eine schulisch und berufliche Qualifikation erhalten.

Berger und ein Maurer-Lehrling aus dem Münsterland nutzten die Gelegenheit. "Ich habe dabei wichtige Erfahrungen gesammelt", bilanziert der Azubi, der nun die vier Wochen im August/September bei einer Pressekonferenz noch einmal Revue passieren ließ. Sein vorrangiges Ziel in Mutoto: eine bessere Wasserversorgung.

Rund 350 Meter Leitungen verlegte er dafür mit Unterstützung Einheimischer. Zunächst musste dafür ein Graben ausgehoben werden. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch: "Dies geschah mit Spitzhacke und Schaufel", erzählt der 18-Jährige und öffnet auf seinem Laptop den Ordner mit Fotos aus Mutoto. Die Bilder von den Sanitäranlagen zeigen, was Nawezi meint, wenn er von "improvisieren" spricht. "Wir müssen mit dem arbeiten, was wir als Material bekommen und schauen, wie wir damit unser Werk umsetzen können." Kein Vergleich mit hiesigen Arbeitsbedingungen, wie Berger unterstreicht.

Bei "angenehmen 32 Grad" Tagestemperatur sammelte er aber nicht nur auf dem handwerklichen Gebiet viele neue Eindrücke. "Es lässt einen schon darüber nachdenken, wie man helfen kann, wenn man sieht, wie die Lebensverhältnisse der Kongolesen sind", sagt Berger.

Einfachste Häuser, die aus Termitenhügeln gepressten Steinen gebaut sind, Duschen, die schon als Fortschritt zu werten sind, und Plumpsklos seien in den von Armut geprägten Vororten die Regel. Ebenso bescheiden erlebte der Borkener die täglichen Mahlzeiten: "Morgens eine Art Milchbrötchen, die waren sehr lecker." Ganz anders empfand sein Gaumen das "Fu-Fu", die beinahe tägliche Hauptmahlzeit. "Es handelte sich dabei um einen mit Wasser angereicherten Maismehlbrei, aus dem man Bällchen formte, die dann in einer Art Spinat gedippt wurden", schildert er und verrät unumwunden: "Ich habe mich auf Mamas Küche gefreut."

Zum Thema:

Mutoto ist Swahili und bedeutet Kind. Und um die (Aus-)Bildung der Kinder geht es Richard Nawezi. 1998 kam der im Südosten der Republik Kongo aufgewachsene Künstler und Kulturveranstalter als Student nach Münster. Im Jahr 2000 gründete er dort den Verein "Mutoto - Kinder im Kongo". Auf einem Gelände von gut 2000 Hektar im Einzugsbereich der Metropole Lumbumbashi hat der zurzeit 80 Mitglieder zählende Verein ein Kinder-und Kulturzentrum mit Schule, Bäckerei, Gärtnerei und Radio-Station errichtet. 240 Kinder und Jugendliche erhalten dort eine Qualifikation.

"Für etwa 40 von ihnen übernimmt der Verein das Schulgeld von vier Dollar pro Monat", sagt Nawezi. Sein Wunsch ist es, dass die jungen Menschen in seiner Heimat eine qualifizierte Ausbildung erhalten, um anschließend ihr Wissen und ihr Können an andere junge Menschen weitergeben zu können.

Wer die Arbeit unterstützen möchte, kann dies durch Spenden auf das Konto bei der

Sparkasse Münsterland Ost,

BLZ 40050150,

Kontonummer 397471.

(Marita Rinke 2011-12-05, mr)

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