„Selbständig sein heißt, selbst ständig im Betrieb präsent zu sein!“

Das war einer der guten Tipps, die Spargel- und Obstbauer Heinz-Wilhelm Hecheltjen aus Hamminkeln-Brünen den Schülerinnen und Schülern der WEU1 mit auf den Weg gab, als die ihn am 17. Juni bei strahlendem Sonnenschein auf seinem Hof besuchten.

Nach einem kurzen Fußmarsch zum Spargelfeld berichtete der Hofherr zunächst von seiner Entscheidung Anfang der 90er Jahre, die Schwei­ne­mast wegen der damaligen Unwirtschaftlichkeit aufzugeben und den elterlichen Betrieb umzustrukturieren. Spargelanbau sollte ein besseres Geschäft bieten als Viehwirtschaft oder Getreideanbau.

Die Höhe der dafür notwendigen Investitionen rechnete Bauer Hechelt­jen gemeinsam mit den Schülern durch: „Das Feld auf die Pflanze vor­bereiten kostet ca. 2.000 € pro ha pro Jahr, das Ganze dauert zwei Jahre, macht 4.000 €. Du bist 4.000 €“ und einer der Schüler stellte sich zur Seite. „Die Pflanzen setzen, das Feld andämmen kostet ca. 5.000€, Du bist 5.000 €“ und der nächste Schüler stellte sich zur Sei­te. „Für den geernteten Spargel brauchen wir einen Eiswasser­kühler, der kostet 23.000 €, Du bist 23.000 €“...“ die Wasch- und Sortier­maschine war günstig, weil noch von Hand sortiert werden muss, deshalb nur 4.000 €, Du bist 4.000 €“ und die Seite der Kosten füllte sich zusehends mit Schülern. „Was brauchen wir noch?“ „Personal, Material, Werbung“, kam es von der Klasse. Und so rechneten die Schüler nach einiger Zeit Investitionskosten von ca. 250.000 € zusammen. „Wir haben natürlich jährliche Neuinvestitionen wie Feldbestellung, Materialnachkauf etc. noch nicht mit drin, und andererseits Investitionen mitberechnet, die sich über viele Jahre abschreiben lassen“, erläuterte Bauer Hecheltjen das Ergebnis. „Aber so unge­fähr ein Einfamilienhaus kommt schon schnell zusammen.“ „Dann muss man doch so 4-5 € für ein kg Spargel bekommen, damit es sich überhaupt rechnet“ war Kims Fazit der Rechnerei. „Völlig richtig! Verkaufe Dich nie unter Wert, achte auf Qualität und setze Dich so von den Mitbewerbern ab“, war dann auch der nächste gute Rat vom Hofherrn für die zukünftigen Einzelhändler.

Nachdem auch die Fragen zu schwarzen und weißen Folien, den rötlich-blauen Köpfchen, den Farb- und Bitterstoffen des Bleichspargels und der Gütekriterien beantwortet waren, ging es per Fußmarsch wieder zurück auf den Hof und zum Erdbeerfeld.

Nach kurzer Einführung zu Erntezeiten und Pflück­anweisungen -und diesmal ohne Rechnerei- bekam jeder Schüler ein Schälchen zum Pflücken. Dieses Geschenk wurde von den meisten Schülern trotz des dafür notwendigen Arbeitseinsatzes mit Begeisterung angenommen. Einige Schälchen wurden direkt am Feld schon vernascht, andere dachten über einen Abend mit Erdbeeren und Sekt, Joghurt oder Sahne nach.

Nach einem Abstecher in die Apfelplantagen und kurzem Austausch über gängige und weniger gängige, beliebte und weniger beliebte Sorten bei den Kunden, läuteten wir die Mittagspause und damit den gemütlichen Teil des Tages ein. Bei Spargelsuppe und Brötchen, Apfelschorle und Kaffee ließen wir einen informativen, sonnigen und entspannten Hofbesuch in der Region ausklingen, nicht ohne uns noch einmal recht herzlich bei Bauer Hecheltjen für die Gastfreundschaft zu bedanken.

(HC 2009-06-22)

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