Landschaftsgärtner besuchen ein Stück "B67 im Grünen"

Es sieht zwar aus wie eine Wiese hier ganz weit draußen, abgelegen von den Hauptverkehrsstraßen an der Venderstiege in Büngern. Aber in Wirklichkeit, besser in der straßenbauplanerischen Wirklichkeit des Landesbetriebes Straßen NRW, ist die Wiese ein Teil der B67. Sie ist eine Ausgleichsfläche, die kompensieren soll, dass bei dem Bau des Stücks zwischen Rhede und Borken Feuchtwiesen, kleine Teiche und Hecken zerstört werden mussten.

Zum zehnten Geburtstag hatte der Landesbetrieb auf die Wiese geladen, um auf das Thema "Landschaftspflege" aufmerksam zu machen. "Das ist ein Aspekt, der mit Straßenbau nicht so sehr in Verbindung gebracht wird", sagt Christian Müller, Leiter der Bau-Abteilung bei Straßen NRW.

Diese optimale Gelegenheit, das im Unterricht begonnene Planungsthema nun in der Realität zu erkunden, ließen sich über 30 angehende Landschaftsgärtner vom Berufskolleg Borken natürlich nicht nehmen. Gemeinsam mit ihren Fachlehrern Frau Meyer-Landrut und Herrn Sobbe wurde der Unterricht ins Grüne verlegt, um die Erfahrung der Fachleute "vor Ort" von Straßen.NRW zu nutzen.

Die Landschaftsarchitektinnen Britte Schlottbohm und Christa Deppe erläuterten, wie aus der Ackerfläche ein Ersatz für die zerstörte Natur wird. Ganz könne man die Schädigung der Natur durch eine neue Straße natürlich nicht verhindern, sagte Schlottbohm: "Straßen sind Fremdkörper." Doch 16 Kilometer Wildschutzzäune halten Tiere davon ab, über die B67 zu laufen, 26 Amphibientunnel bieten Kröten die Möglichkeit zu wandern. Die Straßenränder wurden bepflanzt: "Wir haben Pflanzen gewählt, die typisch sind für das Münsterland. Es wurden Wallhecken angelegt, aber man soll auch mal in die Landschaft schauen können und nicht nur durch einen grünen Tunnel fahren." Insgesamt 21000 leichte Gehölze und 164 Hochstämme wurden gesetzt.

Die 3,65 Hektar große Wiese an der Venderstiege ist zudem nur eine von zahlreichen Ausgleichsflächen. Insgesamt sind es 30,8 Hektar. Ursprünglich war sie ein Acker, den Straßen NRW 2008 für 29.250 Euro gekauft und für 33.300 Euro herrichten ließ. Drei Teiche wurden gegraben, die Erde zu einem Wall geformt, Grünland wurde eingesät, ein Weidezaun wurde gebaut und 750 leichte Sträucher gepflanzt, die mit einem Verbissschutzzaun geschützt wurden. Nun wird die Fläche nur noch von Schafen beweidet.

In den Grundwasserteichen tummeln sich inzwischen schon kleine Frösche und andere Tierchen. "Ich hoffe, dass sich hier auch der Laubfrosch ansiedeln wird", sagt Christian Müller. Ganz in der Nähe, in der Dingdener Heide, gibt es den nämlich wieder. Vielleicht wird der sich ja auch bald auf einem Teil der B67 wohlfühlen.

Wohlgefühlt haben sich auf jeden Fall die Landschaftsgärtner vom Berufskolleg Borken. Ein herzlicher Dank gilt dem Team von Straßen.NRW für die Möglichkeit, das Projekt so anschaulich und nachvollziehbar erleben zu können. Die interessante Vorstellung mit all seinen Blickwinkeln hat uns dabei in ganz besonderer Weise bleibende Eindrücke vermittelt, die wir nun bei der weiteren Arbeit im Unterricht nutzten werden.

(SB 2011-10-17)

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