Zukunftswerkstatt

Hallo, ich bin Kira Nienhaus, 17 Jahre alt und Schülerin der Klasse FOS 12 S2. Mit meiner Klasse und der GE 13 war ich vom 27.09.2010 bis zum 01.10.2010 auf Klassenfahrt.

Am Montagmorgen um 8.00 Uhr in der Früh stieg die gesamte Schülerschaft samt drei Lehrkräften in den Bus, um nach etwa 9 Stunden Busfahrt in dem idyllischen Tettnang am Bodensee anzu­kommen. Wir wohnten auf Zapfs Bauernhof und verschieden große Gruppen teilten sich die Ferien­wohnungen. Sieben weitere Personen waren in einem anderen Haus etwa 1000m entfernt von uns untergebracht, denn eine Schülerin konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht auf dem Bauernhof wohnen. Auf jeden wurde Rück­sicht genommen.

Nach der ersten Nacht in den fremden Betten, begann der Theaterworkshop für die eine Gruppe und der Allternativ­workshop mit dem Holzkünstler Manfred Zacher für die andere Gruppe, denn nicht jeder Schüler kann sich für das Theaterspielen begeistern oder traut sich auf einer Bühne zu stehen und etwas zu inszenieren. Ich war in der Gruppe des Theaterworkshops. wir haben verschiedene Übungen zu Mimik und Gestik gemacht, außerdem Entspannungs- und Wahrnehmungsübungen, Tanzübungen aus dem Jazz-Dance-Bereich und auch Atem- und Sprechübungen.

Des Weiteren haben wir das Theaterstück "Die Giraffe trägt einen Hut- Kaleidoskop einer Begegnung im Autobus" eingeübt und aufgeführt. Das Theaterstück bestand nicht nur aus einem einfachen Text, sondern auch aus Lautmale­rei, zwei verschiedenen Choreografien und aus einem Standbild. Das Programm übte Wolfang W. Doempke mit uns in den drei Tagen ein und alle Beteiligten waren sehr stolz, als wir bei der Inszenierung am letzten Theaterworkshoptag unsere Leistungen beobachten konnten und gutes Feedback bekamen.

Die Gruppe des Alternativworkshops erstellte zusammen mit Manfred Zacher am ersten Tag eine Großskulptur aus Holz. Sie wurde von dem Künstler mit einer Kettensäge bearbeitet. Er brachte seine eigenen Ideen mit ein, berück­sichtigte aber auch die Äußerungen und Wünsche der Schülerinnen, worüber diese sich sehr freuten, wie man dem Bericht einer Schülerin entnehmen kann. Sie konnten aber auch ihre eigenen ganz persönlichen, kleineren Holz­skulp­turen herstellen, sie wurden mithilfe einer Stichsäge, einem Bohrer und einer Handkreissäge aus einem Brett gefertigt. An den zwei weiteren Tagen stellten sie Frottagen von Rindenstrukturen her und konnten selber einen Schwarzdruck herstellen, eine Technik die für viele völlig neu war. Den letzten Workshoptag ließen sie mit einem schwäbischen Abendessen in der Küche des Künstlers ausklingen.

Aber wir haben ja am Bodensee nicht nur pausenlos den Workshop besucht, sondern waren auch freizeitmäßig sehr aktiv. Beispielsweise waren wir in Friedrichshafen, in einer großen Innenstadt die direkt am Bodensee liegt. Nach dem Powershoppen haben wir in einem Café, wo es den wohl besten Apfelstrudel der Welt gibt, den Nachmittag ausklingen lassen.

Die aufregendste Aktion war für uns alle aber wohl der Besuch im Klettergarten. Viele mussten sich überwinden, sich in die Höhen zu wagen, aber jeder hatte seinen Spaß, ob nun in 2 Metern Höhe geklettert wurde oder in 6 Metern. Nach dem mehrstündigen Aufenthalt im Hochseilgarten ging es nach Meersburg, wo wir uns eine niedliche Innenstadt an­gucken konnten, die in verschiedenen Höhenlagen gebaut ist. Das heißt, es geht immer wieder rauf und runter. Leider hatten wir nicht genug Zeit, uns die Meersburg selbst anzuschauen. Aber trotzdem hatten wir einen schönen Nachmittag.

Aber auch auf unserem Bauernhof hatten wir viel Spaß. Es gab niedliche Tiere wie zum Beispiel Alpakas und Kängurus, aber auch Pferde und Ziegen zu bestaunen. Auf den Pferden konnten man sogar ausreiten. Wenn es warm gewesen wäre, hätten wir sicherlich noch die Zeit genutzt, in den Pool zu hüpfen, aber wir mussten uns kältebedingt eben mit dem Kinderspielplatz im Garten zufrieden geben. War aber gar kein Problem, wir haben uns bestens amüsiert.

Nun habt ihr viele tolle Dinge über unsere Klassenfahrt erfahren und stellt euch jetzt sicherlich die Frage, warum über den Text fett und unterstrichen "Zukunftswerkstatt" steht, oder? Ich kann es euch erklären: Bei so einer Klassenfahrt, da sind zwar viele Dinge richtig toll, es gibt aber auch immer Dinge, die nicht so gut laufen. Im Vorneherein ist das schwierig bis gar nicht zu planen, aber mir stellt sich nun die Frage, wie so eine Klassenfahrt der FOS 12 S2 hätte aussehen können, so dass sie für alle Beteiligten ein tolles Ereignis wäre, ohne negative Kritikpunkte.

Hört sich ganz schön nach Phantasie an, oder? Aber selbst Albert Einstein sagte schon: "Phantasie ist wichtiger als Wissen. Wissen ist begrenzt, Phantasie aber umfasst die ganze Welt" und Eugène Ionesco war der Meinung: "Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche, sie ist die Kühnheit und Erfindung." Und ich kann mich den beiden nur anschließen. Wie sähe sie also aus, die perfekte Klassenfahrt? Aufgepasst, ich schieß dann mal los:

Unsere Klassenfahrt wäre zu erst einmal nicht nach Tettnang am Bodensee gegangen. Zwar ist dort eine wunder­schöne Landschaft, jedoch ist es nicht zentral gelegen, sodass eine eigene Freizeitplanung der Schülerinnen schwer möglich war, weil alle größeren Aktivitäten mit dem Bus angefahren werden mussten. Man war so einfach nicht sehr flexibel. Außerdem hat man eine lange Fahrzeit nach Tettnang und muss hohe Buskosten zahlen. Aus diesem Grund würde unsere Klassenfahrt in einen Ort gehen, den man in maximal vier Stunden erreichen könnte, denn so kann man die An- und Abreisetage zusätzlich nutzen, um Programmeinheiten des Workshops und Freizeitplanung unterzubrin­gen. Würde man also um 8.00 Uhr in den Bus steigen, wäre man gegen 12.00 Uhr schon an der Unterkunft und könnte ab 16.00 Uhr beispielsweise schon eine Programmeinheit des Workshops unterbringen. Die Unterkunft würde optimalerweise entweder aus Ferienwohnungen in verschiedenen Größen bestehen oder aus einer modernen Jugend­herberge. Da der Ort der Klassenfahrt ein Ort wäre, der relativ zentral liegt, könnten die Schülerinnen vor und nach den Workshops ihre Freizeit selbst organisieren und es würde ihnen frei stehen, ob sie die Zeit mit der gesamten Klasse nutzen wollen oder nur mit ihren engeren Freundinnen. Der Ort der Klassenfahrt könnte beispielsweise Köln sein. Im Bezug auf die gruppendynamische Freizeitplanung könnte man vorher überlegen, wann man welche Aktivitäten mit der Klasse organisiert. Das Schokoladenmuseum wäre doch zum Beispiel immer einen Besuch wert.

Auch die beiden Workshops würden etwas anders ablaufen. Unsere Klasse würde in der Planungszeit den Kontakt zu dem Leiter des Theaterworkshops suchen, um das Theaterstück schon einmal kennen zu lernen. Wir würden das Skript des Stückes schon vorab zugesendet bekommen und die Schülerinnen könnten so schon eine Rolle ins Auge fassen, welche sie besonders gerne spielen würden. Man könnte die Rollen auch schon vorab verteilen. So könnten die Schü­ler­innen schon beginnen, den Text zu lernen und sich ihr Kostüm zusammenstellen. So wäre es möglich, ein größeres Theaterstück in der kurzen Zeit auf die Beine zu stellen. Des weiteren könnten sie den Text auch etwas umschreiben, falls ihnen einige Formulierungen nicht gefallen oder sie sich die Textstellen nicht merken können.

Der Workshop würde dann, wie wir es von der wirklichen Klassenfahrt kennen, verschiedene Übungen wie Entspan­nungsübungen, Atem- und Sprechübungen und andere Übungen beinhalten. Weiterführend könnten wir direkt am ersten Tag mit dem Üben des Stückes anfangen, um keine Zeit zu verlieren. So ist es auch für die Schülerinnen ein­facher, die Texte zu lernen, da kein Zeitdruck da ist. Die Inszenierung des Theaterstücks würde vor Publikum stattfinden. Man könnte je nach dem, was für ein Theaterstück gespielt würde, es in einem Kindergarten, einem Jugendhaus oder einem Pflegeheim aufführen und die Mitschülerinnen des Alternativworkshops könnten der Premiere natürlich auch beiwohnen. Zusätzlich hätten wir noch einige Menschen mit dem Theaterstück fröhlich gestimmt und der Nervenkitzel der Darsteller ist viel größer. Da wir bei unserem Workshops der Phantasieklassenfahrt schon so früh angefangen haben, das Theaterstück kennen zu lernen, haben sie viel mehr die Chance, den eigenen Stil in die Rolle mit einzubringen und man könnte sich am Ende viel mehr mit seiner Rolle und dem Stück identifizieren. Es wäre ja auch viel mehr Zeit da, sich an die Rolle zu gewöhnen, sie zu verändern und sie zu einem Teil seiner Selbst zu machen. Dadurch würde das Selbstbewusstsein der Schülerinnen vermutlich noch mehr steigen, denn sie würden ja schließlich den Applaus des Publikums viel mehr auf sich beziehen, da sie selbst der Rolle die persönliche Note gegeben hätten.

Der Alternativworkshop könnte unterschiedlich aussehen. Man könnte wieder einen Kunstworkshop organisieren. Es müsste ja nicht zwangsläufig ein Projekt mit Holz sein, denn Acrylfarbe und fachmännische Anleitung zum "Profibilder malen" würde viele Schülerinnen schon sehr fröhlich stimmen. Man könnte aber auch in eine ganz andere Richtung gehen und die Schülerinnen bei einem Neuaufbau eines Spielplatzes helfen lassen. In größeren Städten werden solche Projekte immer öfter von verschiedenen Organisationen geplant und durchgeführt und dabei ist jede helfende Hand gerne gesehen. Die Schülerinnen könnten aber auch in Kooperation mit Sozialpädagogen einen Jugendtreff neu gestalten. Die Sozialpädagogen vor Ort könnten sich um Sponsoren bemühen und die Schülerinnen könnten sich ein Konzept überlegen, wie der Treff am Ende aussehen könnte und welche Materialien gebraucht würden. Im Jugendtreff könnten sich dann alle Beteiligten des Projekts absprechen und die Ideen und Vorstellungen austauschen. So ein Jugendtreff zu gestalten ist allerdings aber auch eine Aufgabe, die sehr schwer realisierbar ist, da man die richtigen Ansprechpartner finden muss, aber im Zeitalter des Internets kann man sich schon sehr viele brauchbare Informationen besorgen.

Die Entscheidung, wie dieser Alternativworkshop aussehen würde, hängt jedoch von der Örtlichkeit ab. Man kann aber im Forum der Klasse im vornherein einige andere Ideen sammeln und versuchen sie umsetzten. Diese Phantasie­klas­sen­fahrt wäre eine wundervolle Erfahrung für alle Beteiligten und meiner Meinung nach müsste man den anderen Schülern der Sozialen Klassen die Möglichkeit geben, einen Einblick in Bereich der Theaterpädagogik und in den Alternativworkshop zu geben, so wie wir es bei der realen Klassenfahrt zusammen mit der GE13 gemacht haben. Im Jahrbuch würden verschiedene Berichte und Reflexionen erscheinen und vor der Klasse, auf dem Flur, würden Fotoplakate hängen. Desweiteren würde wir unsere Erfahrungen und Erlebnisse den Sozialen Klassen vorstellen, die sich für unsere Klassenfahrt interessieren. Man könnte natürlich auf sachlicher Ebene von der positiven Faktoren der Theaterpädagogik erzählen. An einem besonderen Schultag, beispielsweise der letzte Tag vor den Ferien könnte unsere Klasse das eingeübte Theaterstück aufführen und am Ende Geld einsammeln und dies für einen guten Zweck spenden, das Patenkind der Schule zum Beispiel würde sich darüber sicherlich sehr freuen.

So ihr Lieben, das war mein schriftlicher Beitrag zu unsere Klassenfahrt 2010 und ich hoffe er hat euch gefallen. Abschließend möchte ich euch sagen, dass Phantasie etwas wunderschönes, einzigartiges und ganz persönliches ist. Mit Phantasie und Träume kann man die schrecklichsten Dinge wunderschön aussehen lassen und aus dem tristen Alltag entfliehen. Phantasie und Träume gehören dir ganz allein und man kann sie dir niemals nehmen. Träume mit leuchtenden Augen, das ist nicht nur was für Kinder.

Ich danke für eure Aufmerksamkeit

(Kira Nienhaus 2011-01-30)

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