Sozialhelferinnen besuchen ambulante Hospizgruppe der Diakonie

„Besonders, wenn es um junge Menschen ging, hat uns das sehr berührt“

Am 15. November 2006 besuchte eine Klasse angehender Sozialhelferinnen und Sozialhelfer des Berufskollegs Borken die ambulante Hospizgruppe des Diakonischen Werkes in Borken. Pfarrer Ulrich Radke, Leiter der Gruppe der Evangelischen Kirchengemeinden Borken/Gemen/Oeding, stellte den 19 Schülerinnen und Schülern die Ziele und die Arbeit der ambulanten Hospizarbeit vor. „Wir wollen das Lebensende mit Würde und Wärme erfüllen und den schweren Tagen mehr Leben geben,“ erläuterte Pfarrer Radke die Maxime der Hospizgruppe. Er bedauerte, dass das Sterben als Teil des Lebens oft aus dem Bewusstsein der Menschen gerückt ist. Sterbenden und ihren Angehörigen in dieser schwierigen Zeit zur Seite zu stehen, sei die Hauptaufgabe in der Hospizarbeit. Die Berufsfachschülerinnen und –schüler erfuhren, dass die 24 rein ehrenamtlich arbeitenden Hospizhelferinnen und -helfer intensiv auf ihre sehr sensible Aufgabe vorbereitet werden. In einem Weiterbildungskurs erwerben und festigen sie ihre Grundkompetenzen für eine einfühlsame Sterbebegleitung. Dabei stehen die Wünsche des sterbenden Menschen im Vordergrund.

Für die zukünftigen Sozialhelferinnen und -helfer hatte der Besuch einen direkten Bezug zu ihrer Ausbildung. Tätig werden sie besonders in der Kranken-, Alten- und Behindertenbetreuung. Da sie in diesen sozialen Berufsfeldern mit dem Sterben und dem Tod konfrontiert werden können, ist es wichtig, sich auch persönlich mit diesem oft tabuisierten Thema auseinander zu setzen. Erst wer selbst das Sterben als Teil des Lebens akzeptiert, kann im beruflichen Alltag mit anderen Menschen kompetent und angemessen mit diesem Thema umgehen. „Das Berufskolleg Borken sieht den Besuch von Einrichtungen außerhalb der Schule als eine wertvolle Ergänzung und Förderung der unterrichtlichen Praxis an. Authentische Erfahrungen wirken oft nachhaltiger als theoretische Erkenntnisse. Sie fördern die beruflichen und die persönlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler,“erklärte Studienreferendar Christoph Hoenig, der den Besuch bei der Hospizgruppe organisiert hatte. Gerade bei diesem sehr sensiblen Thema biete sich der Besuch bei außerschulischen Fachleuten an.

Welchen Umfang eine Begleitung des sterbenden Menschen und seiner Angehörigen hat, ist sehr unterschiedlich. „Mit dem Sterben verhält es sich wie mit dem Leben: jeder gestaltet seine Lebensabschnitte individuell. Wir richten uns ganz nach den Wünschen der Betroffenen,“ informierte Pfarrer Radke. Tiefe emotionale Betroffenheit richteten bei den Schülerinnen und Schülern die Berichte aus der praktischen Hospizarbeit aus. „Besonders, wenn es um junge Menschen ging, hat uns das sehr berührt,“ fasste eine Schülerin die Gefühle der Klasse zusammen. Die angehenden Sozialhelferinnen und -helfer und ihr Lehrer Herr Hoenig zogen ein sehr positives Fazit des informativen Besuches. Eines der Ziele der Hospizgruppe, auch den offenen Umgang mit Sterben und Tod zu fördern, wurde bei ihnen auf eindringliche Weise erreicht. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich jetzt persönlich – und damit beruflich – gestärkt und besser in der Lage, mit dieser Situation im beruflichen Alltag angemessen im Sinne der Betroffenen umzugehen.

Sozialhelferinnen und – helfer erlernen ihren Beruf am BK Borken in einem zweijährigen Bildungsgang. Qualifiziert werden sie für eine Betreuung und Förderung von Menschen, die durch Alter, Krankheit, Behinderung oder schwierige soziale Lebenslagen beeinträchtigt sind. Neben der Theorie steht dabei die Praxis hoch im Kurs, die sie während ihrer Ausbildungszeit u.a. in vier mehrwöchigen Praktika kennen lernen. Zusätzlich finden Betriebserkundungen und vergleichbare Besuche wie bei der Hospizgruppe statt. Das Berufskolleg Borken nutzt diese außerschulischen Kontakte und Möglichkeiten und hat sie darum auch unter dem Schlagwort „Öffnung von Schule“ in seinem Schulprogramm verankert.

(S 2006-11-17)

Comments are closed.