Simulation

BKB lebt den europäischen Gedanken

Schüler und Schülerinnen des Technik- und des Wirtschaftsgymnasiums am Berufskolleg Borken verhandelten eine neue EU-Richtlinie für die Asyl- und Flüchtlingspolitik.
An zwei Tagen simulierten insgesamt 46 Schüler und Schülerinnen den Alltag der EU. Konkretes Thema war die Asyl-u. Flüchtlingspolitik, für die es galt, eine neue EU-Richtlinie zu verabschieden. Seit mehr als zwei Jahren bestimmt die Frage nach dem Umgang mit den Flüchtlingen die europäische Politik. Aber wie werden in der Europäischen Union eigentlich Entscheidungen getroffen? Welche Akteure und Interessen beherrschen die Entscheidungsprozesse in Brüssel und Strasbourg?


Was zunächst als trockene und langweilige Veranstaltung erschien, entpuppte sich von Anfang an als spannendes Politikkarussel, in denen die Schüler die Rolle der Akteure übernahmen. Eingeteilt in Gruppen stritten sie im Ministerrat für die Interessen ihrer Länder, setzten sich im Europaparlament als Abgeordneter mit den Meinungen unterschiedlicher Fraktionen auseinander, strebten als Lobbyisten nach Einfluss auf Parlamentarier und Minister und entwickelten als Kommissionsmitglieder Vorschläge für eine EU-Richtlinie. Als Pressevertreter nationaler und internationaler Zeitungen stellten sie kritische Fragen und fassten Diskussionen zusammen. Für die Dokumentation in Wort und Bild sorgten Leon Schulze Bröring und Jonas Gensowski als TV-Team des BKB.


„Die zwei Tage waren echt anstrengend, aber sie haben Spaß gemacht“ war die übereinstimmende Meinung der zukünftigen Abiturienten. „Anfangs eher skeptisch, wurde ich sehr positiv überrascht. Ich weiß jetzt, was es bedeutet: “Es waren zähe Verhandlungen“ –wie es im Fernsehen so oft heißt. Bei so vielen unterschiedlichen Standpunkten einen Kompromiss zu finden, mit denen alle leben können, war wirklich schwierig“, berichtet Alexander Hadder aus der GT11, im Spiel Frankreichs Vertreter im Ministerrat. So unterschiedlich die Rollen, so unterschiedlich waren auch die Erfahrungen, die die Schüler bei ihrer Umsetzung machten. „Mir hat es gefallen, die Interessen des eigenen Landes zu vertreten und gleichzeitig eine europäische Lösung zu finden.“ Anders sah es Miguel Lühn aus der GW11B als Vertreter Griechenlands: „Als Grieche hat man es nicht so leicht. Es ist frustrierend, wenn man kein Geld hat und auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Ich fühlte mich als Grieche mit den Problemen doch von vielen allein gelassen.“ Schwierig erwies es sich auch, eine Rolle überzeugend zu vertreten, wenn man persönlich eine ganz andere Meinung hat. Dies musste besonders Kira Mecking als Vertreter Ungarns erfahren. „Diese Rolle anzunehmen, war echt schwer für mich da ich selber einen anderen Standpunkt vertrete. „ Aber auch sie musste zugeben, dass das Rollenspiel Spaß gemacht hatte. Über den Einfluss der Lobbyisten wurden aus verschiedenen Perspektiven Erfahrungen gesammelt. „ Was man im Fernsehen überhaupt nicht sieht ist der Einfluss, den man als Lobbyist auf Abgeordnete oder EU-Kommissare hat.“ berichtet ein Schüler als Interessenvertreter. „Als ich als EU-Abgeordneter eine Stellungnahme zu einem mir unbekannten Sachverhalt abgeben musste, wurde mir erst bewusst, wie stark die Macht der Lobbyisten ist“ so ein Mitglied des EU-Parlaments. Den Eindruck, den die Schüler über das Gesetzgebungsverfahren gemacht haben, fasst Adrian als Mitglied des Ministerrats zusammen:„ Es war echt anstrengend immer wieder neue Begründungen zu finden, um den anderen zu überzeugen. Aber insgesamt fand ich es toll, dass ich am Planspiel mitmachen konnte.“


Über den Erfolg dieser beiden Tage sind sich die Schüler, die Moderatoren und die beiden organisierenden Politiklehrer Herr Leuker und Frau Frincu einig: „Planspiele machen demokratische Entscheidungsprozesse erst wirklich verständlich. Auf spielerische Art erfahren unsere Schüler komplexe Zusammenhänge und Strukturen. Deshalb setzen wir am BKB konsequent auf diese nachhaltige Methode der Wissensvermittlung. Möglich gemacht wurde uns dieses Planspiel vom Forum Jugend und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten ist auch für das nächste Jahr eingeplant. Besonders stolz sind wir aber auf unsere Schüler. Denn sie haben etwas geschafft, wozu in der Realität die politischen Akteure 60 Jahre nach den römischen Verträgen immer weniger fähig sind. Den europäischen Gedanken durch einen erweiterten Blickwinkel mit Leben zu füllen.“

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