Landwirtschaftliche Auszubildende auf der Grünen Woche in Berlin

Die Berlinfahrt

Landwirte-in-BerlinAm 14.01.2010 zu einer unmenschlichen Zeit um 5:45 Uhr starteten wir, die landwirtschaftlichen Auszu­bil­den­den vom Berufskolleg Borken, mit dem Bus zu unserer Hauptstadt Berlin. Nach acht Stunden Busfahrt fuhren wir durch den Kurfürstendamm. Meine Augen weiteten sich, als ich die Geschäfte Gucci, Chanel usw. mit ihren teuren Luxus­artikeln erblickte. Man müsste einmal so reich sein, um sich das alles kaufen zu können! Natürlich verstanden mich die Jungen überhaupt nicht. (Unsere Gruppe bestand aus 40 Männern und 3 Frauen.)

Nicht weit entfernt von diesen Geschäften in einer Seitenstraße lag unser Hotel, dessen Außenfassade nicht besonders schön war. Der äußere Schein trog. Die Innenausstattung war super. Der restliche Tag stand uns zur freien Verfügung. Manche nutzten ihn um Besichtigungen durchzuführen. In Gruppen schlugen wir uns durch den Großstadtdschungel. Die erste große Herausforderung in der Stadt war für uns „Bauern“ die richtige Fahrkarte für die U-Bahn einzulösen. Nach einer eingehenden Unterrichtung durch die Lehrer Herr Dingwerth und Herr Rikels demonstrierte ein Mitschüler, wie man seine Fahrkarte nicht entwerten sollte, mit dem Ergebnis, dass diese nun ungültig war. Als wir uns durch das für uns unübersichtliche U-Bahnnetz mit mehrmaligem falschem Umsteigen gekämpft hatten, kamen wir am Zielort Potsdamer Platz an. Ein solcher Kampf kostet Energie. Unsere Mägen schrien nach Fleisch! Nach der Stärkung gingen wir zum Brandenburger Tor. Zum anschließenden „Abdancen“ trafen wir uns im Q-Dorf wieder.

Am nächsten Morgen übernahm Herr Dingwerth die Aufgabe des Weckers. Wir wollten die „Grüne Woche“ unsicher machen. Uns erwarteten kulinarische Genüsse aus der ganzen Welt, eine „proBier“–Halle mit 2000 verschiedenen Bier­sorten, eine Tierschau und ein Erlebnisbauernhof. Insgesamt ein toller, erlebnisreicher und lehrreicher Tag. Das einstimmige Ergebnis lautete: „Alkoholfreies Bier schmeckt nicht!“ Es war interessant zu erfahren, welche kulinarischen Genüsse es in anderen Ländern gibt.

Gegen 19:30 Uhr starteten wir mit dem Bus zur Stadtrundfahrt Berlin bei Nacht. Wir sahen die Stadt Berlin, hell erleuchtet und wunderschön. Auch Randgebiete wie z.B. das Rotlichtmilieu wurden uns gezeigt. Alle Jungen klebten mit ihren Nasen an den Scheiben um die Damen aus dem horizontalen Gewerbe zu sehen. Typisch Männer! Manche riefen: „Lass uns doch eine rein­holen!“ Schließlich hielt der Busfahrer an und sagte: „Fragt doch eine.“ Keiner der Jungen, die zuvor so cool taten, war so mutig dieser Auf­for­derung nachzukommen. Für mich war dieses Erlebnis „Nachtfahrt“ ein weiteres Highlight. Nach Beendigung der Fahrt unternahmen wir eine Kneipentour.

Am Samstag besuchten wir den Bundestag. Un­ser Weckdienst funktionierte wieder rei­bungs- und erbarmungslos. Der Bundestags­abgeord­nete Herr Röhring diskutierte mit uns über für uns Landwirte interessante Themen, wie z.B. Milchpreise, Bioenergie und nach­wachsende Roh­stoffe. Nach der Diskussion fand eine Führung durch den Bundestag statt. Durch die Reichstagskuppel genossen wir den schönen Ausblick über Berlin. Nach dieser eindrucksvollen Besichtigung fehlten Schüler, die sich zwecks Nahrungssuche unerlaubt von der Gruppe entfernt hatten. Wir waren einstimmig dafür, dass die fehlenden Mitschüler stehen gelassen werden sollten. Unsere Lehrer waren leider nicht derselben Meinung. Schließlich erschienen die Vermissten doch noch und mussten zur Strafe jeder eine Kiste Bier spendieren. Endlich konnten wir zur Stadtrundfahrt bei Tag aufbrechen. Wir sahen das Schloss Bellevue, Charlottenburg, beeindruckende alte Gebäude, geschichtlich bedeutende Orte und vieles mehr.

Am Nachmittag bereiteten sich viele auf die am Abend steigende Landjugendparty vor, indem sie Augenpflege betrie­ben. Die Fahrt zur Party stellte uns vor eine weitere Herausforderung: „Wie liest man eine U-Bahn-Karte und wie kommt man damit am Ziel an?“ Mit einer zweistündigen Verspätung kamen wir endlich an und konnten feiern.

Am Sonntag war der Abreisetag. Viele, die das Bett erst früh morgens gefunden hatten, waren nun scheintot und mussten durch Herrn Dingwerth und Herrn Rikels wiederbelebt werden. Die Lehrer scheuten auch den Einsatz von Wasser nicht. Mit einer 30-minütigen Verspätung begann unsere Heimfahrt. Ich freute mich auf die Einfachheit des „platten Landes“ ohne Lärm, Menschenmassen und U-Bahnen. Nach 7 Stunden kamen wir todmüde wieder in Borken an.

Insgesamt war die Fahrt sehr informativ und erlebnisreich. Wir hatten viel Zeit, Berlin auf „eigene Faust“ zu erkunden und hatten dennoch ein tolles Programm. Die Grüne Woche war ein einmaliges kulinarisches Erlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Aber auch der Besuch im Bundestag war beeindruckend.

Wir danken dem „Weckdienst“ Herrn Dingwerth und Herrn Rikels für deren unendliche Geduld mit uns. Vielen Dank …

(Sabrina Limberg 2010-02-25)

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