Gewässerschutz

Fließen jährlich 7,5 Millionen Euro den Bach hinunter?

GewässervortragZum Teil ja! Diese traurige Bilanz ziehen die Schülerinnen und Schüler der Höheren Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales nach dem Vortrag von Judith Pelster vom Kreis Borken zur Umsetzung der europäischen Gewässerrichtlinie im Kreis Borken. Die Expertin hat exemplarisch für den Kreis Borken zwei Maßnahmen an der Bocholter Aa intensiver erläutert: Die Fischtreppe nahe dem Pröbstingsee sowie Verzweigungen und Renaturierungsmaßnahmen in Ramsdorf.

Für die Gesamtheit aller Gewässermaßnahmen auf 561 km Gewässerlänge haben der Kreis Borken im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Euro als 20 prozentigen Eigenanteil und das Land NRW 6 Millionen Euro ausgegeben. Das Ziel ist es, den von der europäischen Gewässerrahmenrichtlinie geforderten, guten ökologischen und chemischen Zustand der Wasserqualität von Oberflächengewässern im Kreis Borken zu erreichen. Gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern sind Judith Pelzer und ihre Kollegen diesem Ziel zunächst näher gekommen.

Gewässervortrag

Aber im vergangenen Winter ist der Gewässerpilz noch häufiger und stärker aufgetreten als in den Jahren davor. Er ist ein Zeichen dafür, dass infolge organischer Einleitungen wie Gülle und Silagesäfte kein Leben im Fließgewässer mehr möglich ist. Die Kleinstlebewesen, die am Anfang der Nahrungskette stehen, sterben ab und es fehlt die Lebensgrundlage für Fische.

Besonders betroffen macht die Schüler hierbei, dass es kaum Lösungen zu geben scheint. Natürlich gibt es unter den Landwirten einige schwarze Schafe, deren Verhalten illegal ist. Die Schüler hatten sich im Vorfeld ausführlich über die Güllesituation im Kreis Borken informiert und festgestellt, dass viele Landwirte durch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in eine Situation von „Wachsen oder Weichen“ gezwungen werden, bei der sie selbst auch oft Opfer sind.

Aus den Reihen der Schüler berichten einige, dass das Wasser aus ihren Hausbrunnen im Außenbereich schon seit Jahren durch Nitrate ungenießbar sei. Diese Familien kaufen das Wasser zum Kochen und Trinken im Supermarkt ein.

Gewässervortrag

Einen Hoffnungsschimmer sehen die Schüler aber darin, dass es sich bei der europäischen Gewässerrichtlinie um zwingendes Recht handelt. Wenn die geforderte Wasserqualität nicht erreicht wird, ist mit erheblichen Geldstrafen zu rechnen. So wird die EU hoffentlich dazu beitragen, dass die Trinkwasser- und Gewässerprobleme in unserer Region von allen Seiten mit der notwendigen Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit angegangen werden.

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