Step by Step - Und wieder ist ein neuer wichtiger Schritt getan!

Holzwerkstatt des Berufskollegs Borken entwickelt sich stetig weiter

HolzwerkstattIm letzten Jahr wurden für die handwerklich orientierten Klassen des BK-Borken fünfzehn Kleindrechselbänke angeschafft. Damit wurde ein lang gehegter Gedanke realisiert. Dieses alte Handwerk, das immer mehr durch den industriellen Einfluss und Preisdumping in den Hintergrund gerät, bekommt damit eine kleine neue Chance nicht gänzlich in Vergessenheit zu geraten.

Nur die wenigsten Betriebe sind heute noch in der Lage, diese alte Handwerkskunst zu vermitteln. Die benötigten Halbzeuge für das Handwerk wie z.B. Tischfüße, Treppenstäbe, diverse Säulen für Stehtische, Stuhlbeine werden entweder in den noch wenigen hoch spezialisierten Unternehmen in Deutschland, oder im Ausland gefertigt. Die Folge daraus ist, dass man diese Halbzeuge in der Regel nur noch zukauft. Die Eigenproduktion dieser Halbzeuge ist in den meisten Fällen einfach unwirtschaftlich. Leider trägt diese Entwicklung dazu bei, dass wieder einmal handwerkliche Kompetenz verloren geht. Vielen Menschen ist leider nicht bewusst, was durch diese Entwicklung dem Handwerk auf Dauer verloren geht. Der ausländische Markt wird uns in Zukunft bei diesen Zukaufteilen die Preise diktieren. Dann gibt es in nicht all zu ferner Zukunft niemanden mehr in Deutschland, der gedrechselte Halbzeuge o.ä. herstellen kann. Viele handwerkliche Gewerke sind uns dadurch schon verloren gegangen wie Stellmacherei oder Wagnerei, Küfer oder Böttcher. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass die handwerkliche Kompetenz damit verschwindet. Selbst wenn man wollte, ohne personelle Hilfe aus dem Ausland, wäre dann wohl nichts mehr zu machen. Zwar handelt es sich bei diesen Produkten um Randerzeugnisse, doch Kleinvieh macht bekanntlich auf Dauer auch Mist!

Wir wollen den jungen Menschen unserer Schule dieses alte Handwerk wieder ein wenig näher bringen. Ein so schönes altes Kunsthandwerk, das so viel Freude vermitteln kann, darf einfach nicht sterben. Viele handwerkliche Grundfertigkeiten können hier geübt und erlernt werden und schaffen damit einen direkten Bezug zum „normalen“ handwerklichen Alltag. Gerade Begriffe wie handwerkliches Geschick, kreative Oberflächengestaltung, Oberflächengüte, Zerspanung mit Handwerkzeugen, optimale Schnittgeschwindigkeit, Schärfen unterschiedlichster Drechselwerkzeuge und nicht zuletzt die unterschiedlichen Materialeigenschaften diverser heimischer und ausländischer Holzartenbekommen ein Gesicht und werden hier real.

Mein persönliches Fazit nach Realisierung einer Lernsituation für die Tischlerklasse Mittel-stufe ist sehr positiv. Junge Menschen kann man noch erreichen. Auch im Zeitalter von Smartphone und Tablett-PC. Man konnte die Vorfreude auf diese Arbeit richtig spüren und den Stolz, den so mancher Schüler beim Betrachten seiner Aufgabenstellung empfunden hat.

Bearbeitet wurde die Lernsituation „Richterhammer“: Eine Ansichtszeichnung diente den Schülern zur Orientierung. Unter Einhaltung der Arbeitssicherheit und einer konkreten Zeitvorgabe waren Hammerstil und Hammerkopf zu drechseln. Durch eine Bohrung im Hammerkopf konnten die Einzelteile dann vereinigt werden. Auch hier musste eine Lösung gefunden werden, die die Arbeitssicherheit beim Bohren von runden Kleinteilen gewährleistet.

Holzbearbeitung

Kreative Veränderungen der Konturen am Hammerstiel und Hammerkopf waren zugelassen. Das wichtigste Ziel war die Fertigstellung der Arbeitsaufgabe in der vorgegebenen Zeit. Dieses Ziel konnte nahezu von jedem Schüler erreicht werden. Um jedoch eine realistische Einschätzung der Lernsituation auch von Schülerseite zu bekommen, erstellten die Schüler fachübergreifend im Deutschunterricht bei Herrn Ende einen Erfahrungsbericht zur Arbeitsaufgabe, womit zugleich ein Meinungsbild zum Thema „Drechseln im Fachpraxisunterricht“ eingeholt werden konnte.

Der Erfahrungsbericht entstand unter anderem unter Beachtung folgender Kriterien:

– Hat Dir das Drechseln gefallen?

– Ist das Drechseln eine sinnvolle Bereicherung für den Unterricht?

– Gab es durch das Drechseln einen Lernzuwachs bei der Bearbeitung von Holz?

– Konnten die Ziele des Unterrichts wie z.B. Oberflächenqualität, Maßgenauigkeit erreicht werden?

– War der zeitliche Unterrichtsrahmen ausreichend?

– Wurde die Arbeitssicherheit gewährleistet?

Die Ergebnisse der Erfahrungsberichte ließen eine deutliche, positive Auffassung der Schüler zum Thema erkennen. Die mehrheitliche Befürwortung des neuen Angebots im Fachpraxisunterricht liest sich z.B. wie folgt:

„Unsere Aufgabe im Fachpraxisunterricht bestand darin, einen „Richterhammer“ zu fertigen. Dazu wurden uns Maschinen, Werkzeuge, Material und Zeichnungen zur Verfügung gestellt. Für diese Aufgabe hatten wir neun Schulstunden Zeit. Zuerst habe ich gedacht, dass es knapp wird, dennoch bin ich gut mit der Zeit ausgekommen. Vor allem hat mir die Ansprache des Lehrers Herr Bröcker gefallen: „Diesen Block drechseln wir“. Es war wirklich einmal etwas anderes und abwechslungsreich, daher denke ich, dass er [der Drechselunterricht, Anm. der Redaktion] ganz klar eine Bereicherung für den Unterricht ist. Des Weiteren hat mich begeistert, mal wieder mit Massivholz zu arbeiten und wieder Späne fliegen zu sehen. Natürlich sind wir noch keine Profis, aber dennoch konnten wir grob die Oberflächenqualität und Maßgenauigkeit einhalten. Zudem war es sehr positiv, dass wir von Herrn Bröcker eingewiesen wurden. Zudem wurden wir gut zum Thema Sicherheit belehrt, so dass beim Werken nicht viel passieren konnte. Alles in allem war es eine super Erfahrung.“ (Julian Rottstegge, HTM)

„In dem zweiten Block der HTM Klasse haben wir im Fachunterricht bei Herrn Bröcker zum ersten Mal gedrechselt. Als erstes wurden wir mit einem kleinen Lehrfilm in das Thema eingeführt, danach zeigte uns Herr Bröcker persönlich, wie die einzelnen Schritte mit dem jeweils richtigen Werkzeug beim Drechseln durchgeführt werden. Das Drechseln ist, wie ich finde, sinnvoll, man lernt einen Aspekt der Holzbearbeitung kennen, den es in vielen Firmen gar nicht mehr gibt. Zudem lernt man das Verhalten des Holzes beim Zerspanen noch genauer kennen als bei den einfachen Tischlerarbeiten. Die allgemeinen Ziele wie Oberflächenqualität und Maßgenauigkeit konnten im Unterricht gut erreicht werden. Natürlich braucht man Übung, aber wenn man den Dreh erst mal ein wenig heraus hatte, ging es doch recht gut. Der zeitliche Rahmen hätte länger sein können, aber die neun Schulstunden haben für dieses Projekt noch gereicht. Drechseln ist gefährlicher als andere Maschinenarbeit der Tischlerei, besonders muss man auf die Finger achten, dass sie nicht in das Werkstück geraten, das sich dreht. Dazu gehört auch die richtige Führung des Werkzeugs. Wie ich finde, hat das Drechseln sichtbar allen Spaß gemacht.“ (Jörn Möllmann, HTM)

(BR & EM 2012-03-01)

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