Besuch niederländischer Berufsschüler in Borken

Kooperation des Berufskollegs Borken mit der ROC Aventus in Apeldoorn im Bereich der Automobilwirtschaft

„Die haben sich ja richtig in Schale geworfen!“ Überrascht blickten die angehenden Automobilkaufleute des Berufskollegs Borken auf ihre niederländischen Gäste. Sie selber hatten sich morgens im Kleiderschrank aus der für Berufsschultage üblichen legeren Schublade bedient.  Doch das unkomplizierte Auftreten der Niederländer ließen die aufkommenden Zweifel an der Kleidungswahl schnell vergessen.

Im Gegensatz zum „outfit“ eröffnete die ähnliche Berufsausbildung sofort zahlreiche Anknüpfungspunkte zwischen den deutschen und niederländischen Berufsschülern. Dabei liegt der Schwerpunkt der niederländischen Ausbildung „automotive sales and management“ im Verkaufsbereich, der im deutschen Berufsbild „Automobilkaufmann / kauffrau“  nur von untergeordneter Bedeutung ist. Im Gegensatz zu ihren niederländischen Kollegen müssen deutsche Automobilkaufleute auch noch eine Zusatzqualifikation zum „Automobilverkäufer“ erwerben, wenn sie später Neu- oder Gebrauchtfahrzeuge verkaufen wollen.

Nach dem obligatorischen Begrüßungskaffee erfolgte ein gegenseitiger berufsbezogener Erfahrungsaustausch über die unterschiedlichen Ausbildungsstrukturen beiderseits der Grenze. So findet die niederländische Ausbildung z. B. überwiegend an der Berufsschule statt und wird lediglich durch 2 halbjährige Praktika bei verschiedenen Autohäusern ergänzt. Im Gegensatz zu Deutschland werden die Betriebe dadurch komplett von den Kosten der Berufsausbildung befreit.


Anschließend sollten die gemischten deutsch-niederländischen Teams auf der Basis einer Internet -Recherche Unterschiede zwischen dem deutschen und dem niederländischen Automobil- und Ersatzteilmarkt herausarbeiten.  Die Arbeitsergebnisse galt es übersichtlich darzustellen (z. B. mittels Tabellen oder „power point“) und später zu präsentieren. Überrascht zeigte sich Niederländisch-Fachlehrerin Miranda Demming, wie leicht die Berufsschüler in den Teams die gegenseitigen Sprachbarrieren überwinden konnten.

Ziel der Zusammenarbeit in den Teams war einerseits die Ausweitung der theoretischen Kenntnisse auf die europäische Dimension des Automobilmarkts. Zum anderen soll aber auch die praktische Arbeit im Ausbildungsbetrieb davon profitieren: deutsche Interessenten an Re-Importen gehören schließlich in vielen niederländischen Autohäuser ebenso zumAlltagsgeschäft, wie niederländische Nachfrager nach Ersatzteilen bei hiesigen Vertragshändlern.

Im Anschluss an das arbeitsintensive „Gastspiel“ der Niederländer am Berufskolleg stand die Besichtigung der Wiesmann Manufaktur in Dülmen auf dem Programm. Hier werden -vorwiegend in Handarbeit- Sportwagen der Luxusklasse „zusammengeschraubt“. Sehr zur Freude der Apeldoorner Gäste stand im Verkaufsraum ein komplett in orange lackierter Sportwagen, der sich gerade auch auf niederländische Strassen als „Hingucker“ eignen würde. Aber auch die übrigen, durchweg  in der Preisklasse eines Reihenhauses angesiedelten Fahrzeuge fanden reges Interesse und luden geradezu zu einer Probefahrt ein. Da die Werksführung sowohl in deutsch als auch englisch durchgeführt wurde, nahmen alle Teilnehmer viele Informationen und bleibende Eindrücke aus Dülmen mit.  

Für das nächste Jahr ist der Gegenbesuch der deutschen  Auszubildenden in Apeldoorn vorgesehen.  Hier steht ein „crash-course“ zum Thema Verkauf bei  niederländischen Verkaufsspezialisten in den schuleigenen Verkaufsräumen der ROC Aventus auf dem Programm. Die intensive Verkaufsschulung soll vor allem die Vorbereitung auf die mündliche IHK- Abschlussprüfung abrunden, bei der die Prüflinge direkt am Fahrzeug ein (simuliertes) praktisches Verkaufsgespräch führen müssen.  Diesen Aspekt der deutsch-niederländischen Kooperation hält Georg Rohde als Bildungsgangleiter Automobil für besonders wichtig:„ Projekte in allen Ehren – aber letztlich wird unserer Arbeit als Lehrer von den Auszubildenden immer auch an den Prüfungsergebnissen gemessen“.

Die ersten beiden „Arbeitsbesuche“ in Borken und Apeldoorn sollen nur einen Anfang für die Kopperation im Bereich der Automobilwirtschaft darstellen. Für die Zukunft sind weitere gemeinsame Projekte wie beispielsweise grenzübergreifende Praktika angedacht.  

 

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