Interview mit Thomas Kottenstede

Nach kurzer Zeit Einstieg geschafft

Herr Kottenstede, seit einiger Zeit benutzt auch das BKB die Lernplattform WebWeaver. Was ist das eigentlich?

Ja, seit dem Beginn dieses Schuljahrs hat das Berufskolleg Borken eine eigene Lernplattform. Sie basiert auf dem im Schulbereich bekannten Produkt WebWeaver.

Die Lernplattform des BKB erweitert die Kommunikationsmöglichkeiten der Schüler untereinander sowie zwischen Schülern und Schule. Beispiele hierfür sind unter anderem die für jede Klassen vorhandenen Chatrooms, die Dateiablagen und die Diskussionsforen. Darüber können die Schüler sich untereinander oder mit den Lehrern E-Mail austauschen oder direkte Online-Nachrichten (sogenannte Messages) schicken. Dieses und noch weitere Möglichkeiten werden mit Hilfe dieser Lernplattform kostenlos vom Berufskolleg Borken zur Verfügung gestellt.

Für Lehrer und auch für Schüler?

Selbstverständlich! Wir sind schließlich daran interessiert, dass die Plattform von möglichst vielen Schülern, Lehrern und weiteren Partnern, z.B. Ausbildungsbetrieben, genutzt wird.

Wo liegen die Vorteile gerade dieser Software?

Das Produkt WebWeaver ist im Schulbereich etabliert. Bereits seit längerem baut die Schweiz ihren zentralen Bildungsserver für alle Schulen auf dieser Software auf. Für den Kreis Borken bot sich WebWeaver als gemeinsame Plattform für die Berufskollegs an. Fünf der sechs Berufskollegs im Kreis sowie die Stadt Ahaus mit all ihren Schulen haben sich hierfür zusammengetan. So bieten wir eine virtuelle Lernumgebung, die alle Schüler bereits kennen, die aus einer Ahauser Schule oder einem der anderen Berufskollegs zu uns kommen. Notwendige Einarbeitungszeiten entfallen hierdurch. Zusätzlich hat sich gerade auch Schulen ans Netz e.V. für WebWeaver entschieden und baut hiermit die bundesweite Lernplattform LoNet2 auf. So das auch hier eine weitere Bekanntheit erwartet werden kann. Ein ganz entscheidender Vorteil ist aber auch die ELearning-Fähigkeit von WebWeaver. Wir wollen in den kommenden Jahren insbesondere diesen Bereich deutlich ausbauen.

Und die Vorteile für Schüler?

Einige habe ich ja bereits genannt. Für viele Schüler ist es wichtig, dass Ihnen eine kostenlose E-Mail-Adresse mit zugehöriger webbasierter Software zum Versenden und Empfangen zur Verfügung gestellt wird. Aber auch der Informationsaustausch mit den anderen Schülern und den Lehrern außerhalb des Unterrichts wird zunehmend genutzt.

Ich möchte hier Beispiele aus meinem eigenen Unterricht nennen. In mehreren Klassen habe ich mit den Schülern vereinbart, dass zu jeder Stunde ein kurzes Stundenprotokoll angefertigt und in der Dateiablage der Klasse hinterlegt wird. Dabei ist in jeder Stunde ein anderer Schüler für das Protokoll verantwortlich. Sollte ein Schüler einmal eine Stunde versäumt haben, so kann er sich hier über den verpassten Stoff informieren und diesen leichter nacharbeiten. Auch vor Klassenarbeiten werden die Stundenprotokolle von den Schülern gerne genutzt, um sich noch einmal einen Überblick über die behandelten Inhalte zu verschaffen. Eine andere Möglichkeit der Lernplattform, die insbesondere vor Klassenarbeiten genutzt wird, ist der Austausch von Online-Nachrichten. Wenn ich zuhause in meinem Arbeitszimmer sitze, melde ich mich in der Regel bei der Lernplattform an. Die Schüler haben die Möglichkeit dieses zu sehen und mir bei Bedarf kleine Nachrichten zu schicken. Gerade vor Klassenarbeiten wird hiervon Gebrauch gemacht, um noch die eine oder andere Frage loszuwerden. Für alle Schüler die es hier lesen: Ich gebe natürlich keine Informationen darüber, was in der Arbeit dran kommt!

Kann jeder Schüler die Plattform benutzen?

Die Schüler bzw. die Klassen müssen einmal eingerichtet sein, dann kann die Plattform von den Schülern genutzt werden. Ist sich ein Schüler nicht klar darüber, dann soll er sich an seinen Klassenlehrer (oder den Informatiklehrer) wenden. Allen Klassen, die es möchten, werden wir den Zugang gegeben.

Kostet das eigentlich nichts?

Für die Schüler und die Lehrer ist es kostenlos. Die Kosten für die Plattform sind insgesamt so gering, dass das Berufskolleg Borken diese aus seinem Haushalt finanziert.

Welche anderen Schulen benutzen Webweaver?

In diesem Verbund der Lernplattform haben sich das Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung Ahaus, das Berufskolleg für Technik Ahaus, das Lise-Meitner-Berufskolleg Ahaus, das Berufskolleg Bocholt West und das Berufskolleg Borken zusammengefunden. Die Stadt Ahaus ist mit ihren städtischen Schulen ebenfalls daran beteiligt. Nur durch diesen Verbund konnten die Kosten in einem für uns tragbaren Bereich gehalten werden. Darüber hinaus bietet sich aber auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit an.

An welche Art der Zusammenarbeit ist hier gedacht?

Zum einen wird die Plattform bereits jetzt zum Informationsaustausch für Lehrer-Arbeitsgruppen aus den unterschiedlichen Schulen genutzt. Vorreiter ist hier wieder einmal die Gruppe der Systembetreuer an Berufskollegs des Kreises Borken (SysBor). Aber auch fachspezifische Arbeitsgruppen z.B. im Bereich KFZ-Technik oder Versorgungstechnik haben hier die Möglichkeit sich auf einer virtuellen Plattform zu treffen und sich über Änderungen in den Lehrplänen und ähnlichem auszutauschen. Zum anderen gibt es schulübergreifende Lerngruppen, AGs etc. Die Koordinierung hierfür war bisher schwierig und kann nun deutlich leichter durchgeführt werden.

Auch die Kooperation mit den Ausbildungspartnern, hier sind insbesondere die Ausbildungsbetriebe, die IHK, die Handwerkskammer bzw. die Innungen, der Steuerberaterkammer etc zu nennen, soll mit der Plattform noch weiter intensiviert und ausgebaut werden.

Nun liegen ja schon Erfahrungen für einige Zeit vor. Können Sie beurteilen, wie das System angenommen wird?

WebWeaver wurde bisher sehr gut angenommen. Die Klassen, Schüler und Lehrer, die mit der Plattform arbeiten, möchte sie sicherlich nicht mehr vermissen. Das sind zur Zeit ca. 950 Schüler und 120 Lehrer die in rund 50 Klassen und 60 Arbeitsgemeinschaften organisiert sind. Damit ist ein Einstieg geschafft. Nun wird es darum gehen, auch die anderen Klassen mit ins Boot zu holen. Ziel ist es natürlich, dass alle rund 2800 Schüler unserer Schule die Lernplattform nutzen.

Welche Rolle spielt das eLearning?

eLearning ist eins der wichtigsten Schlagwörter der letzten Zeit und wird in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Es geht dabei darum, dass die Schüler noch stärker als heute von starren zeitlichen und räumlichen Lernarrangements befreit werden. Lernen ist ein individueller Prozess. Daher ist es auch notwendig, dass die Schüler entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedürfnisse die Möglichkeiten zum selbstverantwortlichen Lernen erhalten. Wir sind sicher, dass die Lernplattform mit ihren eLearning-Möglichkeiten einen wichtigen Beitrag im gesamtschulischen Angebot des Berufskolleg Borken leisten kann.

Herr Kottenstede, wir danken Ihnen für das Gespräch.

(KY KS 2006-12-29)

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