RUW – Besichtigung (Februar 2015, Borken-Hoxfeld)

RUWDie ALM3 besuchte zusammen mit Ihrem Fachlehrer Herrn Rennefeld am 02.02.2015 die RUW (Rinder Union West eG) – Besamungsstation in Borken-Hoxfeld. Dazu versammelten sich die Schüler um 8.00 Uhr vor dieser und wurden anschließend im Präsentationsraum vom Stationsleiter und Tierarzt Dr. Janowitz in Empfang genommen. Dieser stellte die RUW und deren Kenndaten vor. Herr Dr. Janowitz erklärte den angehenden Landwirten, wie es zur ersten künstlichen Besamung kam und welche Hintergründe diese hatte: In der Nachkriegszeit hatten durchschnittliche landwirtschaftliche Betriebe eine Haltungskapazität von ca. 5-10 Kühen. Um diese zu befruchten, gab es in der Regel einen sogenannten „Dorfbullen“, welcher mehreren Betrieben zur Verfügung stand. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass dieser auch viele Krankheiten übertrug und die Kühe dadurch z.T. nicht tragend wurden. Um diesem Risiko auszuweichen, isolierte man gesunde Deckbullen und samte diese künstlich ab. Das daraus gewonnene Frischsperma wurde dann, aufgrund der geringen „Haltbarkeit“, in kurzer Zeit den brünstigen Kühen eingeführt. Ab den 60er Jahren war es durch zahlreiche Forschungsarbeiten nun auch möglich das Sperma in flüssigem Stickstoff (-196°C) einzufrieren, um Sperma auf Vorrat zu produzieren. Zudem ist das Sperma dadurch Jahre lang haltbar und sogar für den Export und Import geeignet.

Da die Zuchtorganisationen immer darauf bedacht waren einen züchterischen Fortschritt zu erzielen, wurden die Bullen nach den ersten Absamungen für ca. 4 Jahre als sogenannte Wartebullen gehalten, denn man konnte ihren züchterischen Wert erst dann sicher bestimmen, wenn die ersten Töchterinformationen vorlagen.

Seit wenigen Jahren kann man jedoch dieses 4 jährige und kostenintensive Generationsintervall durch die sogenannte „genomische Selektion“ umgehen. Dabei werden die Kälber bereits ab dem 14. Lebenstag durch einen DNA-Vergleich mit den aktuell geprüften Top-Vererbern züchterisch eingestuft, wodurch sie schon früh einen relativ sicheren sogenannten „genomischer Zuchtwert“ erhalten.

In den letzten Jahren gewann auch die Hornloszucht immer mehr an Bedeutung. Dabei werden Kühe mit hornlosen Bullen gepaart, wodurch auch die Nachkommen zum großen Teil hornlos sind. Vor allem durch das immer mehr in die Kritik geratene Enthornen der Kälber steigt das Interesse an Sperma von solchen Bullen.

Aufgrund stark spezialisierter Milchvieh- und Zuchtbetriebe, steigt auch die Nachfrage an dem sogenannten „Spermasexing“ stark. Dabei wird das Bullensperma in einem aufwendigen Verfahren geschlechtsgetrennt abgefüllt und verkauft. Gerade in Zeiten der zunehmender Betriebs-spezialisierung und sinkender Preise für Bullenkälber von Milchrassen ist dieses Verfahren hoch interessant. Nachteilig ist jedoch, dass eine Portion Sperma ca. 50% teurer und der Besamungserfolg ca. 10% geringer ist.

RUW

Nach dem Vortrag wurden den Schülern dann eine Auswahl von Zuchtbullen der Besamungsstation Hoxfeld vorgestellt, wobei diese zwischen 1 und 13 Jahre alt waren. Vor allem die älteren Bullen sorgten durch ihre beachtliche Größe für Staunen bei den Zuschauern.

Anschließend gingen die Schüler, mit entsprechender Hygieneausrüstung ausgestattet, in das Labor. Hier sahen sie, nur durch eine Glasscheibe vom Sprungraum getrennt, wie ein Zuchtbulle abgesamt wurde. Das frisch gewonnene Sperma wurde unter dem Mikroskop analysiert, anschließend verdünnt und zum Einfrieren in dünne Röhrchen, den sogenannten Pajetten, abgefüllt. Dabei entstehen aus einem Sprung bis zu 700 Portionen mit einem Wert zwischen 9 und 50€ pro Portion. In jeder Portion sind garantiert 20 Millionen Spermien, die, bei – 196°C in flüssigem Stickstoff aufbewahrt, über Jahrzehnte lebensfähig bleiben.

Zum Abschluss des Besuchsprogramms stellte Herr Dr. Janowitz die Bullenställe -aus seuchenhygienischen Gründen darf kein Besucher die Ställe betreten- und die anderen RUW Standorte anhand von Bildern vor.

Der Klassensprecher der ALM3 bedankte sich im Namen der Klasse für die interessanten Ausführungen und für die spannenden Blicke hinter die Kulissen einer der führenden Zuchtorganisationen in Deutschland.

(Tobias Honvehlmann & Phillip Hagemann)

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