Theaterbesuch der GE 12

Unten der Tod , oben das Nordlicht

TheaterbesuchDie Schüler/Innen der GE 12 besuchten in Begleitung von Frau Höppner und Frau Hauling am 26.4.2012 das Bochumer Schauspielhaus um im ‚Theater Unten‘ das Stück norway.today von Igor Bauersima anzusehen. Das Stück war zuvor im Grundkurs Deutsch intensiv besprochen worden.

Eine Rezension der Aufführung von Lisa Gahlmann (GE12)

„Möchte jemand mit mir in den Tod gehen?“ – Stille im Saal.

Eine sehr ernste Frage, die Julie im Chatroom stellt. Sie ist satt vom Leben und möchte es beenden, einfach springen. Für August ist das Leben nur ein „Fake“ und er beschließt mit Julie zu gehen. Gemeinsam wollen sie sich von einem Felsen in Norwegen stürzen, ein kurzer Sprung, und alles wäre vorbei. Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, die Igor Bauersima sofort ins Auge stach: Im Jahre 2000 stürzen sich zwei Jugendliche, die sich über das Internet kennen lernten, gemeinsam in den Tod.

Julie (Verena Schulze) ist düster und emotionslos wie im Drama, August (Ronny Miersch), der unentschlossene, weiß-gekleidete Bube, wächst dem Publikum schnell ans Herz. Überzeugend spielt er seine Gefühle, fühlt sich hin- und her gerissen zwischen Wahrheit und „Fake“, sogar ein paar Tränen fließen über seine Wangen. Die coole Julie, die erst auf Abstand ist, und von Szene zu Szene immer mehr ihr Herz öffnet, kommt sehr gut rüber.

Beide ändern ihre Einstellung als das Nordlicht sich am Himmel zeigt. Sie sind beeindruckt von der Schönheit der Natur und ändern ihre Meinung, dass die Welt „fake“ sei. Durch misslungene Videoaufnahmen merken sie, dass die Welt beeindruckender ist als mediale Ereignisse oder Gegenstände. Durch die selbst gedrehten Videoaufnahmen erscheint dem Publikum das Problem der Protagonisten als echt. Man fühlt sich in das Stück mit einbezogen und beginnt, die Geschichte der beiden zu verstehen.

Die Liebesszene, in der das Zusammenspiel von Video und Leinwand sehr zur Geltung kommt, ist sehenswert. Das Publikum sieht wunderschöne Videoaufnahmen der Liebesszene aus dem Zelt, während die Schauspieler vor dem Publikum stehen und den Liebesakt als fiktive Möglichkeit beschreiben. Dieses Spiel mit der doppelten Handlung macht das Stück so besonders. 

Theaterbesuch

Das moderne Theaterstück wird von der Bühneninszenierung eher schlicht gehalten, wodurch man sich in die Geschichte gut einfindet. Am Ende sitzen Julie und August auf der Klippe, springen aber nicht. Das Ende des Stücks lässt viel Raum zur Interpretation, man weiß nicht, wie es mit den beiden typischen Jugendlichen der Generation Internet weitergehen soll. Man fühlt sich aber direkt angesprochen und wird durch die authentische Inszenierung des ernsten Themas Suizid direkt zum Nachdenken angeregt. Das macht das Stück so sehenswert. Wenn da nicht die laute, impulsive Musik wäre.

(HA 2012-05-14)

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