An zwei Tagen simulierten mit Hilfe des Forums Politik der Friedrich Ebert-Stiftung 39 Schüler und Schülerinnen der gymnasialen Oberstufen des BKBs den Alltag der EU-Politiker. Konkretes Thema war die Energie- und Klimapolitik in Europa, für die es galt, eine neue EU-Richtlinie zu verabschieden. Nicht erst seit den Friday-For-Future-Demonstrationen bewegt die Frage nach der Zukunft unseres Klimas die jüngere Generation. Aber wie werden in der Europäischen Union dazu die Entscheidungen getroffen? Welche Akteure und Interessen beherrschen den Entscheidungsprozess zwischen Ökologie und Ökonomie und in Brüssel und Straßburg?

Was zunächst als trockene und langweilige Veranstaltung erscheinen könnte, hatte sich von Anfang an als spannendes Politikkarussell entwickelt. Unter sachkundiger Leitung der Mentoren der Valentum Kommunikations GmbH diskutierten die Schüler eingeteilt in verschiedene Gruppen über den Einsatz fossiler Energieträger, der Finanzierung des Netzausbaus und der Forcierung der Energiewende. Im Spannungsfeld länderspezifischer Sichtweisen der Sicherung der Energieversorgung schlüpften die Schüler in die Rollen von Regierungschefs der Nationalstaaten und machten als Kommissionsmitglieder Vorschläge für ein neues EU-Gesetz.

Als Lobbyisten verschiedener Interessenvertreter nahmen sie Einfluss auf die Entscheidungsträger und berichteten als Korrespondenten verschiedener Zeitung über den Fortgang des Entscheidungsprozesses. In der Rolle von Europaparlamentarier der verschiedenen Fraktionen diskutierten sie über die verschiedenen Standpunkte und stimmten über die Richtlinie ab. So unterschiedlich die Rollen, so unterschiedlich waren die Erfahrungen, die die Schüler machten.

Adrian Lammersmann, Schüler des Technikgymnasiums freute sich, als er die Rolle des Energieministers von Frankreich gezogen hatte: „Ich wusste gleich, dass ich als Verfechter der Atomindustrie einen ganz schlimmen Finger spielen durfte!“ Ähnlich äußerte sich Antonia Alfes, Schülerin des Gymnasiums für Gesundheit und Soziales über ihre Rolle als Regierungschefin von Estland: “Mir gefiel besonders, dass man seine Persönlichkeit entfalten konnte“.

Laura Scholtholt, im Planspiel Präsidentin des EU –Parlamentes und gleichzeitig Vertreterin der EVP, zog für sich ein positives Resümee: „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, viele unangenehme Fragen an die anderen Fraktionen stellen. Allerdings war ich auch gut vorbereitet, was mir die Arbeit erleichterte.“

Jule Möllmann, im Planspiel Regierungschefin von Polen, gefielen die intensiven Debatten:“ Obwohl wir so unterschiedliche Standpunkte vertraten, konnten wir aber trotzdem zu einer Einigung im Ministerrat kommen“. Lasse Ubbenhorst und Ronja Feldmann, im Planspiel Interessenvertreter für Atomenergie bzw. Umwelt, erfuhren, wie sie Politik mitgestalten konnten.

Am Ende werteten die Schüler, die externen Moderatoren und die Lehrer, die die beiden Tage organisiert hatten, als Erfolg. „In unseren Planspielen geht es um viel mehr als nur um den Gesetzgebungsprozess der EU kennen zu lernen“, so das Fazit von Gerhard Leuker und Raluca Kellner, Geschichtslehrer/in am BKB. „Die Schüler erhalten Freiräume und können sich persönlich entfalten, lernen spielerisch komplexe Zusammenhänge und Strukturen kennen und werden motiviert, sich künftig gesellschaftlich zu engagieren. Deshalb ist das nächste Planspiel an unseren Gymnasien des Berufskolleg auch schon fest eingeplant.“